Reportagefotografie

Textpoterie: Porzellan mit Augenzwinkern

„Yes, I can!“ oder „All I want is you“ lese ich neben anderen Texten auf den handgefertigten Bechern, Schalen und Tellern von Christine Mittermayr, als ich sie in ihrem Atelier in Arnreit besuche. Hier im Mühlviertel entstehen die Porzellanunikate und Kleinstserien des Labels Textpoterie. „Ich möchte schöne Stücke zum Wohnen herstellen, die inspirieren, Platz im Alltag finden und Momente mit Augenzwinkern hervorrufen“, erzählt mir Christine.

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An den Wänden, am Tisch und in den Regalen entdecke ich, geschmackvoll dekoriert, Porzellan mit textilen Mustern und Texten. Die Schalen der Serie „jaquard“ und „black“ modelliert Christine aus Porzellanmasse auf Leinenjaquards aus dem Mühlviertel. Die anderen Stücke werden auf der Töpferscheibe gedreht und mit Schellack bemalt oder mit Texten bedruckt. Im Sinne der Nachhaltigkeit ist die Serie „pimp my china“ entstanden. Altes Porzellan wird mit Texten bedruckt. So stellt Christine herkömmliche Stücke mit Augenzwinkern in einen neuen Kontext. Ihren Stil beschreibt sie als nordisch, einfach mit einem Hauch eclectic. Individuelles, einfaches und schönes Ambiente, Städtereisen, die Natur und schöne Landschaften inspirieren sie.

Während Christine an der Töpferscheibe sitzt, stöbere ich durch das Atelier. In den Regalen stehen Werkstücke in Arbeit, Formen und Stoffe. Auf Pinnwand und Tür liefern Zeitungsausschnitte, Stoffmuster, Notizen und Fotos Inspiration und neue Ideen. Nur mehr die Sprossenwand verrät, dass Christine hier früher als Ergotherapeutin arbeitete, bevor sie 2013 wieder zu ihren Wurzeln zurückkehrte. Nach der Matura erlernte sie in einer kleinen Keramikmanufaktur das Töpferhandwerk. Heute freut sie sich, dass sie ihre Begabungen leben kann, sowohl beruflich als auch privat. Das macht für Christine ein erfülltes Leben aus. Neben einer guten Work-Life-Balance, Zeit für sich selbst und die Pflege von Beziehungen und Freundschaften. Gerne bei einem einfachen, guten Essen auf einem schön gedeckten Tisch mit schönem Geschirr – wie könnte es anders sein – und selbstgepflückten Blumen, ohne viel Aufwand.

Was sie an der Selbstständigkeit schätze und anderen mitgeben wolle, die auch ein Unternehmen haben oder gründen wollen, frage ich Christine zum Abschluss: „Es ist schön, dass ich mir alles selbst einteilen kann, meine eigene Chefin bin und meine eigenen Ideen gleich umsetzen kann ohne Abstimmung mit anderen. Man braucht einen langen Atem, darf nicht zu schnell aufgeben! Es dauert bis man alles aufbaut, Umsatz macht und davon leben kann.“

www.textpoterie.at

Heiße Eisen

Sanft streifen die ersten Sonnenstrahlen über die hügelige Landschaft des Mühlviertels. Unmittelbar hinter dem kleinen Waldstück befindet sich die tschechische Grenze. Während Richard Kriechbaumer die Pferde von der Weide in den Stall bringt, holt sein Sohn David das Werkzeug aus dem weißen Ford Transit. Es soll ein heißer Sommertag werden. Wir sind bereits frühmorgens aufgebrochen. Die Arbeit des Hufschmieds ist auch ohne hohe Temperaturen eine heiße und körperlich anstrengende Sache.

Die Morgensonne scheint zur Stadeltür herein und liefert das nötige Licht für die Arbeit. Die Pferde stehen ruhig nebeneinander und lassen das Prozedere entspannt über sich ergehen. Das sei nicht immer so, erzählen mir die Kriechbaumers. Nachdem die alten Eisen abgenommen sind, erfolgt der Hufbeschnitt. Die beiden säubern, kürzen und raspeln die Hufe. Dann beginnt der eigentliche Beschlag. Richard heizt den Ofen auf der Ladefläche seines Busses an und bringt das Hufeisen zum Glühen. Rotorange leuchtet das Eisen, wenn der Schmied es am Amboss formt. Das Klirren der Hammerschläge erfüllt den Raum. Kurz darauf steigt eine Rauchwolke auf und der Gestank verbrannten Horns kriecht mir in die Nase. Das heiße Eisen wird aufgebrannt. Der Hufschmied kontrolliert Passform und Sitz am Huf. Ein lautes Zischen ist zu hören, als David das Hufeisen im Wasser abkühlt. Jetzt noch schleifen, Nagellöcher richten und schon wird das Hufeisen aufgenagelt, nochmal feilen – fertig. In vier bis sechs Wochen steht die nächste Hufpflege an. Die Pferde spazieren zufrieden zurück auf die Weide, während sich das eingespielte Team mit der mobilen Schmiede auf den Weg zum nächsten Gestüt macht. Die Sonne steht schon deutlicher höher, die Temperatur steigt.

 
Traumseher Presse Bernhofer

Ein Auszug von sechs Bildern aus dieser Reportage wurde beim Traumseher-Landes-Award 2016/2017 in der Kategorie Presse(sport), Reportage mit dem 1. Platz ausgezeichnet.

Die Glasflüsterer

Kinderleicht scheint das Arbeiten mit Glas, wenn man Helmut W. Hundstorfer und Rolf Brühlmann beobachtet. Doch der Schein trügt. »Glas machen« erfordert viel Gefühl und volle Konzentration. Eine falsche Bewegung und das Kunstwerk rutscht von der Stange, auf der es geformt wird. Helmut und Rolf sind ein gut eingespieltes Team. Routiniert und ruhig folgt ein Arbeitsschritt dem anderen. Wenn ein drittes Paar Hände benötigt wird, packt Rolfs Frau Brigitte mit an. Das Ehepaar aus der Schweiz hat vor einigen Jahren das Atelier von Helmut in Kopfing übernommen. Wenn die beiden Unterstützung brauchen, kommt er gerne vorbei und hilft mit.

Wenn Glas Feuer fängt entsteht Kunst zum Dahinschmelzen schön. Alles beginnt am Ofen mit zwei langen Stangen. Mit einer wird geschmolzenes Klarglas aus dem Ofen aufgenommen, mit der anderen ein Stück Buntglas geschmolzen. Beides landet schließlich auf einer Stange und das Spiel mit dem zähen, heißen Material beginnt. Mit Hilfe von Werkzeug und nassem Zeitungspapier schwingen, drehen, formen und glätten sie das heiße Werkstück. Immer wieder wächst der rote Ball um eine Schicht Klarglas. Über 1.000 Grad ist der Ofen heiß, das verraten auch die Gesichter von Helmut und Rolf. Sie erhitzen das Glas am Ofen um es weich und formbar zu machen. Noch kann man sich nicht vorstellen, dass daraus eine bunte Vase entsteht. Die Farben kommen erst nach dem Auskühlen zum Vorschein. Das passiert langsam in speziellen Öfen, damit das Glas nicht zerspringt. Nach mehreren Stunden kann das Kunstwerk bestaunt werden – jedes ist ein handgemachtes Unikat.