Bilder wie Gedichte

Als ich bei Evalie Wagner ankomme bin ich ganz hin und weg von ihrem Sommeratelier. Im Troadkasten mit angrenzendem Schwimmteich und Bauerngarten voll bunter Blumen, Obst und Gemüse entstehen ihre Bilder. Es gibt frischgebackenen Apfel-Mandel-Kuchen, was für eine Begrüßung. „Das hab ich von der Mama. Wenn Gäste kommen, muss schon was Süßes auf den Tisch“, erzählt mir Evalie. Ich muss lachen – wie bei uns daheim. Am Ende habe ich sogar noch das Rezept eingeheimst.

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Beim Blick durch das Sommeratelier sticht mir Blau als vorherrschende Farbe ins Auge. „Das kann bald wieder anders aussehen, meine Serien sind sehr unterschiedlich. Ich experimentiere gerne, will mich nicht festlegen“, erklärt mir Evalie, „Mein Stil verschwimmt zwischen abstrakt und figurativ. Ich halte Dinge gerne vage, mag die Poetik des Ungefähren. Meine Bilder funktionieren wie Gedichte. Ich möchte dem Betrachter den Raum geben das Bild selbst zu interpretieren.“

In ihren Ausstellungen arbeitet Evalie vorwiegend mit Malerei und Installation. Ihre Bilder entstehen auf Holzplatte oder Leinwand, die sie mit Papier überzieht, mit Harz und Buchbinderleim bearbeitet und mit Ölfarbe bemalt. So bekommt jedes Kunstwerk eine interessante und ganz individuelle Haptik. Ihre Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet und seit 2009 in zahlreichen Ausstellung im In- und Ausland gezeigt, zuletzt in Valladolid, Ljubljana, Vaduz und Wien. Eines ihrer Bilder hängt sogar in New York. Evalie ist seit 2012 als selbständige Künstlerin tätig, sie arbeitet in Waizenkirchen und Graz. Zuvor studierte sie an der Kunstuniversität Linz.

Inspiration findet die Künstlerin weniger in Kunstausstellungen, sondern viel mehr in Konzerten und Büchern, oder im Alltag. Sie geht gerne Umwege, mag Assoziationsspiele mit Literatur, Floristik und Musik. So findet sich in ihren Ausstellungen neben dem Bild auch mal das Buch, das sie während der Entstehungsphase gelesen hat. Am liebsten stellt die Künstlerin in Räumen aus, die an sich schon besonders sind, gerne auch in Kooperation mit Kreativen aus anderen Bereichen. Evalie verfolgt immer eine konzeptionelle Annäherung an das Thema ihrer Serien. Skizzenbuch und Moodboards helfen ihr die Ideen festzuhalten und zu sortieren.

„Am Leben als Künstlerin mag ich die Abwechslung, ich sehe so viel Unterschiedliches, egal ob es andere Kulturen, Menschen, Lebensweisen oder Kunstwerke sind. Ich kann meine Talente leben, das tun, was mir leicht von der Hand geht und Freude macht.“ Selbständigkeit heißt für Evalie voll durchbeißen und dranbleiben, an sich selbst glauben, sich immer wieder aufraffen und dahinter sein, die Augen offen halten, Ideen haben, Chancen erkennen und nutzen. „Um voran zu kommen, muss ich meine Komfortzone verlassen. Immer wieder finde ich mich in neuen Situation. Das kann schon auch anstrengend sein und Angst machen, bringt aber immer viel Interessantes und Neues, vor allem Erfahrung und Weiterentwicklung.“

Was sie mit ihren Bildern beim Betrachter auslösen möchte, frage ich die Künstlerin abschließend. „Ich mag es, wenn ein Bild für den Besitzer mehr Bedeutung hat als nur Malerei. Auf einmal ist da jemand, den eines meiner Bilder berührt, für den es ganz besonders ist. Vielleicht löst es sogar etwas Unkonventionelles, einen Hauch von Unvernunft aus. Im Leben geht es schließlich darum Geschichten zu sammeln“, sagt Evalie, „Wenn meine Bilder Emotionen auslösen – auf welche Art auch immer – dann habe ich erreicht was ich wollte.“

www.evaliewagner.com