Heiße Eisen

Sanft streifen die ersten Sonnenstrahlen über die hügelige Landschaft des Mühlviertels. Unmittelbar hinter dem kleinen Waldstück befindet sich die tschechische Grenze. Während Richard Kriechbaumer die Pferde von der Weide in den Stall bringt, holt sein Sohn David das Werkzeug aus dem weißen Ford Transit. Es soll ein heißer Sommertag werden. Wir sind bereits frühmorgens aufgebrochen. Die Arbeit des Hufschmieds ist auch ohne hohe Temperaturen eine heiße und körperlich anstrengende Sache.

Die Morgensonne scheint zur Stadeltür herein und liefert das nötige Licht für die Arbeit. Die Pferde stehen ruhig nebeneinander und lassen das Prozedere entspannt über sich ergehen. Das sei nicht immer so, erzählen mir die Kriechbaumers. Nachdem die alten Eisen abgenommen sind, erfolgt der Hufbeschnitt. Die beiden säubern, kürzen und raspeln die Hufe. Dann beginnt der eigentliche Beschlag. Richard heizt den Ofen auf der Ladefläche seines Busses an und bringt das Hufeisen zum Glühen. Rotorange leuchtet das Eisen, wenn der Schmied es am Amboss formt. Das Klirren der Hammerschläge erfüllt den Raum. Kurz darauf steigt eine Rauchwolke auf und der Gestank verbrannten Horns kriecht mir in die Nase. Das heiße Eisen wird aufgebrannt. Der Hufschmied kontrolliert Passform und Sitz am Huf. Ein lautes Zischen ist zu hören, als David das Hufeisen im Wasser abkühlt. Jetzt noch schleifen, Nagellöcher richten und schon wird das Hufeisen aufgenagelt, nochmal feilen – fertig. In vier bis sechs Wochen steht die nächste Hufpflege an. Die Pferde spazieren zufrieden zurück auf die Weide, während sich das eingespielte Team mit der mobilen Schmiede auf den Weg zum nächsten Gestüt macht. Die Sonne steht schon deutlicher höher, die Temperatur steigt.

 
Traumseher Presse Bernhofer

Ein Auszug von sechs Bildern aus dieser Reportage wurde beim Traumseher-Landes-Award 2016/2017 in der Kategorie Presse(sport), Reportage mit dem 1. Platz ausgezeichnet.