Die Liebe zum Handgeschriebenen

Papier und Stift, mehr braucht Katrin Hofstadler nicht um Buchstaben und Worte in wahre Kunstwerke zu verwandeln. Mit der Feinen Schreiberei hat sich die Puchenauerin auf Brush und Hand Lettering spezialisiert. Sie schmückt Papier, Wände, Holz, Glas und Tafeln mit Zitaten und Sprüchen, gestaltet Firmenlogos und Hochzeitspapeterie. Im Herbst war ich zu Besuch bei Katrin, wir unterhielten uns über Selbständigkeit, Inspiration und ihre Arbeit.

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Alles nahm seinen Anfang mit der Planung der eigenen Hochzeit. Auf Instagram und Pinterest stieß Katrin auf den Letteringtrend und dachte sich: »Das kann ja nicht so schwer sein.« Voll motiviert startete sie ihre ersten Schreibversuche und stellte schnell fest: so einfach aber auch nicht. Aus dem Gestalten der eigenen Hochzeitspapeterie wurde nichts, jedoch entdeckte sie die Freude am Lettern und übte fleißig weiter. »Am Anfang heißt es einfach Geduld haben und üben, üben, üben. Jeden Tag den Stift ein wenig in die Hand nehmen und dran bleiben, ausprobieren und mutig sein«, rät sie heute auch den Teilnehmerinnen ihrer Brush Lettering Workshops. Ihr Wissen gibt Katrin besonders gerne in Basis- und Aufbaukursen weiter, aktuell in Puchenau, Linz, Salzburg und Wien. Tipps und Tricks verrät sie auch auf ihrem Blog.

»Das Wundervolle am Lettering ist für mich die kurzzeitige Loslösung von der digitalen Welt, die Besinnung auf Stift und Papier, die Haptik, der Geruch der Tinte und letztendlich auch, etwas zu erschaffen und stolz in Händen zu halten. Ich wollte mich vom Gedanken der Perfektion lösen und habe so große Freude an der Imperfektion gefunden. Schön muss nicht perfekt sein. Kleine Fehler wie zum Beispiel nicht ganz gerade Linien, machen diese handgeschriebenen Buchstaben zu kleinen Kunstwerken«, sagt Katrin. Das alles sind Gründe, warum sie sich so lange gegen das digitale Lettern wehrte. Irgendwann wurde ihr das Digitalisieren der Arbeiten aber zu aufwendig und sie entschloss sich dem iPad doch eine Chance zu geben. Heute macht ihr beides Freude. Besonders für ihre Social Media Aktivitäten möchte sie das digitale Lettern nicht mehr missen. Es spart Zeit und dämmt den Papierverbrauch ein. Instagram, Facebook und Co. sind wichtige Marketingtools für die Feine Schreiberei, die meisten Aufträge ergeben sich aufgrund der Onlinepräsenz. »Auch wenn Social Media nicht nur positive Seiten hat«, weiß Katrin aus eigener Erfahrung, »Es verleitet dazu, sich mit anderen zu vergleichen, anstatt den eigenen Fortschritt zu sehen. Auch Bildklau ist ein Thema. Außerdem hat man das Gefühl ständig posten zu müssen.«

Generell findet es Katrin schwieriger hundertprozentig abzuschalten mit einem eigenen Unternehmen. Manchmal macht sich auch Angst breit, dass es nicht mehr laufen könnte, weil Brush Lettering ein massiver Trend ist, der jederzeit vorbei sein könnte. Derzeit streckt sie ihre Fühler nach einem zweiten Standbein aus. Trotzdem überwiegt die Freude an der Selbständigkeit:  »Dass ich jetzt selbständig bin, ist einfach passiert und ich bin sehr dankbar für diese Möglichkeit. Ich kann mir alles so einteilen, wie es für mich und meine Familie passt und habe die Möglichkeit bei meinen Kindern zu sein. Vorher habe ich als Krankenschwester gearbeitet. Ich liebe auch die Arbeit im sozialen Bereich, trotzdem war es mehr eine Kopfentscheidung für den sicheren Job. Ich war immer schon kreativ, jetzt kann ich diese Seite ausleben und nehme das mit solange es geht. Ich möchte mich weiterentwickeln, neue Chancen nützen. Es ist spannend wohin es geht, wo man landet.«

Was sie inspiriere und wie die vielen unterschiedlichen Schriftbilder entstehen, wollte ich zum Abschluss unseres Gesprächs wissen. »Die Inspiration kommt über Worte. Dinge, die ich lese oder Lieder, die ich höre. Die Schriftart wähle ich abhängig vom Inhalt. Wenn ich beginne einen Text zu schreiben, kenne ich die Anmutung. Ich habe eine Vorstellung vom Stil, das genaue Schriftbild entsteht aber erst beim Schreiben. Es ist wie ein Puzzle, ich schreibe die erste Zeile und schaue wie die nächsten dazu passen. Wenn es mit dem ersten Stift nicht so funktioniert wie ich möchte, versuche ich etwas Anderes, bis ich zufrieden bin mit dem Ergebnis. Es ist ein Herantasten. Ich habe Freude am Ausprobieren, am Spielen mit Worten und Buchstaben.“ Da spürt man sie wieder, die Liebe zum Handgeschriebenen.

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